„Man müsste ein Gesetz schaffen, das der Natur zu ihrem Recht verhilft. Die Natur würde dieses lebensunfähige Geschöpf verhungern lassen. Wir dürfen humaner sein und ihm einen schmerzlosen Gnadentod bereiten …“

Zum Thema Gnadentod, in: Das Schwarze Korps, 18. März 1937, S. 9.

 

Diese Worte entsprachen dem Denken und Handeln der Nationalsozialisten, wenn es um den Umgang mit psychisch kranken und behinderten Menschen ging. Unter dem Deckmantel der „Aktion T4“ bzw. dem Euphemismus „Euthanasie“ („der gute Tod“) wurden in Deutschland mehr als 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen auf Befehl der Nationalsozialisten ermordet, unter anderem in der Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.

Über die Vorgänge und Gräueltaten der Nationalsozialisten informiert die Wanderausstellung "Grafeneck 1940 – Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland" im Generallandesarchiv in Karlsruhe, welche der Geschichtskurs g3 der Kursstufe 2 am Donnerstag, den 18. Januar 2018, zusammen mit seiner Lehrerin Frau Guth besuchte. Das Dritte Reich und der Nationalsozialismus sind fester Bestandteil des Bildungsplans in der Oberstufe und im Zuge dessen fand diese Exkursion nach Karlsruhe statt.

Obwohl Grafeneck im Württembergischen liegt, sind die Verbindungen nach Baden doch enger geflochten als man vielleicht annehmen würde. Dies wurde in der Führung durch die Ausstellung deutlich, in der die Ereignisse, die sich in Grafeneck abspielten erläutert wurden. Nicht zuletzt waren es badische Mediziner wie Alfred Hoche [u.a. Verfasser der Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“], Ludwig Sprauer und Arthur Schreck [Leiter der Pflegeanstalt Rastatt], die als Vordenker, Organisatoren und Vollstrecker des Krankenmords weit über die Grenzen Badens hinaus eine zentrale Rolle gespielt haben. Vertieft wurde die Verbindung zwischen Baden und Grafeneck durch einen Vortrag, der im Anschluss an die Führung im Generallandesarchiv gehört wurde. Maria Nüchter (M.A.) referierte aus ihrer Masterarbeit zur Pflegeanstalt in Rastatt unter dem Titel „Zu keiner Arbeit fähig – Die Pflegeanstalt Rastatt als Verwahranstalt dauernd anstaltsbedürftiger Geisteskranker“.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Pflegeanstalt in Rastatt, die erst seit 1934 geöffnet war, nach Zwiefalten verlegt. Von dort wurden Patienten, die nicht in der Lage waren zu arbeiten und daher für die Nationalsozialisten wert- und nutzlos waren, in das Tötungslager Grafeneck deportiert. Insgesamt 80-90% der in Rastatt aufgenommen Patienten wurden in Grafeneck aus Gründen der Sparsamkeit ermordet. Begonnen haben die Morde in Grafeneck am 18. Januar 1940 – auf den Tag genau 78 Jahre vor dem Besuch der Ausstellung im Generallandesarchiv. Grafeneck wurde damals zum Experimentierfeld für das millionenfache Töten, das nur kurze Zeit später in den deutschen Vernichtungslagern in Osteuropa einsetzte.

Markus Krauth